Wenn Zähne bei Erwachsenen vorstehen, können unterschiedliche Situationen dahinterstecken: die Stellung der Schneidezähne, das Verhältnis der Zahnbögen oder eine neue Veränderung. Das sichtbare Lächeln reicht nicht zur Auswahl einer Behandlung aus. Vor dem Gespräch über Möglichkeiten muss geklärt werden, was Sie stört und wodurch sich die Zahnstellung erklärt.
Ihre Beobachtung genauer beschreiben
Wirken die oberen Schneidezähne nach vorn geneigt? Besteht beim Schließen des Mundes ein Abstand zwischen den Zahnbögen? Ist die Veränderung alt oder neu? Solche Beschreibungen helfen, Ihr Anliegen zu verstehen, ohne die Untersuchung durch eine vermutete Diagnose vorwegzunehmen.
Ein Foto liefert nur einen Teil der Informationen. Die Fachperson untersucht den gesamten Biss, die Zähne und ihr Haltegewebe und entscheidet, welche Unterlagen für den Plan nützlich sind. Die Auswahl hängt auch von Ihren angestrebten Zielen ab.
Eine neue Veränderung sollte kontrolliert werden
Wenn sich Zähne offenbar erst kürzlich bewegt haben, nennen Sie den Zeitpunkt, eine mögliche neue Lücke und begleitende Empfindungen. Blutungen oder Lockerungen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die französische Krankenversicherung beschreibt bei Parodontitis Zahnwanderungen mit neuen Zwischenräumen und Verlust von Haltegewebe. Assurance Maladie.
Bringen Sie nach einer kieferorthopädischen Behandlung auch Ihren Retainer und die zugehörigen Anweisungen mit. Es muss geprüft werden, ob er intakt ist und passt, statt die Zähne durch gewaltsames Einsetzen zurückbewegen zu wollen.
Ist die Zunge für vorstehende Zähne verantwortlich?
Die Zunge gehört zur funktionellen Analyse, erklärt aber nicht automatisch jede Zahnstellung. Der Ruhedruck von Zunge und Lippen trägt zum Kräftegleichgewicht bei. Proffit beschreibt abweichendes Schlucken auch als mögliche Anpassung an die bestehende Situation. Proffit, 1978
Ein Druckgefühl allein belegt daher nicht die Ursache der Fehlstellung. Die Untersuchung kann ein funktionelles Training begründen, ohne zu versprechen, dass Übungen die Schneidezähne zurückbewegen. Mehr dazu im Beitrag Zungendruck gegen die Zähne bei Erwachsenen.
Wie lassen sich Behandlungsmöglichkeiten besprechen?
Fragen Sie, was verändert werden soll und mit welchem Verfahren: Zahnposition, Bissverhältnis oder ein anderer Teil des Plans. Lassen Sie Grenzen, Kontrollen und die vorgesehene Haltephase erklären. Ein Gerätevergleich ohne diese Diagnose ermöglicht keine passende Auswahl.
Funktionstherapie kann ergänzend vorgeschlagen werden, wenn eine Funktion dies rechtfertigt. Die verfügbaren Übersichtsarbeiten erlauben nicht, myofunktionelle Therapie als Ersatz für Kieferorthopädie darzustellen. Homem et al., 2014
Auch das Versprechen, eine Zungenhaltung könne Zähne zurückbewegen oder den Kiefer umformen, geht über die Mewing-Evidenz hinaus. Stellungnahme der British Orthodontic Society.
Stabilität und Nachsorge nach der Behandlung planen
Retention soll die erreichte Zahnposition halten. Die Auswahl erfolgt im Rahmen der kieferorthopädischen Betreuung; der Cochrane-Review benennt keine für alle Patienten überlegene Methode. Martin et al., 2023
Eine standardisierte Schiene für die Zungenfunktionstherapie ersetzt diese Retention nicht. Die Myoforce-Schiene für 50 € kann der Fachperson vorgestellt werden, wenn ein Zungengerät erwogen wird. Sie wird jedoch nicht als Gerät zum Zurückbewegen der Zähne angeboten.
Zur Vorbereitung des funktionellen Teils Ihrer Betreuung sammelt der Ratgeber Untersuchung der Zungenfunktion bei Erwachsenen hilfreiche Beobachtungen und Fragen.
Quellen und Methode
- Assurance Maladie. Gingivitis und Parodontitis verstehen, abgerufen am 1. Oktober 2026.
- Proffit, 1978. Kräftegleichgewicht und Zahnposition, theoretischer Fachartikel.
- Homem et al., 2014. Systematische Übersicht zur myofunktionellen Therapie in der Kieferorthopädie.
- British Orthodontic Society, 23. Mai 2025. Stellungnahme zu Mewing-Versprechen.
- Martin et al., Cochrane, 2023. Retention nach kieferorthopädischer Behandlung.
Autor: Dr. Vladimir Khourda, nicht mehr praktizierender Zahnarzt. Informationsbeitrag, am 1. Oktober 2026 anhand der genannten Quellen aktualisiert. Er ersetzt keine individuelle Untersuchung.